Fire at Molino Stucky, Venice, 2003


Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Boris Missirkov / Georgi Bogdanov

Boris Missirkov und Georgi Bogdanovs fotografische Darstellungen von hyperrealen Alltagssituationen gelten als Dokumente einer Verquickung von allgemeinen Erfahrungswerten und unkalkulierbaren psychosozialen Vorkommnissen. Dieses Phänomen demonstrieren die beiden Fotografen und Kameramänner in zahlreichen künstlerischen und werbetechnischen Arbeiten sowie in dem 2004 gedrehten Dokumentarfilm Georgi and the Butterflies über den Psychiater Dr. Georgi Lulchev, Direktor einer Heilanstalt für psychisch kranke Menschen in der Nähe von Sofia, der bizarre Geschäftsideen wie die Gründung einer Straußenfarm hegt, um den Fortbestand seiner finanzgeplagten Institution zu garantieren. Das Werk von Missirkov/Bogdanov beschäftigt sich meist mit irrealen Situationen des Alltags, die an psychische Grenzsituationen erinnern und die Frage nach Erfahrungsmomenten stellen, die unsere Vorstellungen von Normalität übertreffen. Die in zahlreichen Filmen formulierte Hyperrealität kehrt in Missirkov/Bogdanovs Arbeit in einer Doppelungsszene wieder, die zwei fast ident aussehende Frauen von hinten zeigt, deren Blick auf ein brennendes Haus gerichtet ist. Aufgenommen in Venedig erinnert die Situation an Szenen, wie sie etwa im letzten James Bond-Film vorkommen, in dem der Agent seine Gegenspielerin und Geliebte aus einem sinkenden Haus in Venedig zu befreien versucht. Während die Filmszene jedoch im Studio entstand, sind Missirkov/Bogdanov an realen Begebenheiten interessiert, die durch ihre bildliche Darstellung leicht überhöht erscheinen und an psychische Ausnahmezustände erinnern.