Interiors, 2006


Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Ursula Mayer

Die Foto- und Filmarbeiten der in London lebenden österreichischen Künstlerin Ursula Mayer beziehen sich auf das Verhältnis zwischen Architektur und der ihr eingeschriebenen psychologischen Komponenten. Wohndomizile und -häuser dienen der Erkundung von Begebenheiten, die sich zwischen den Räumen und den sich in ihnen aufhaltenden Charakteren ereignen. Die Spezifik der sich daraus erschließenden Handlungen fokussiert vor allem auf eine performative Achse zwischen den weiblichen Darstellerinnen und der architektonischen Konfiguration von Räumen und Objekten. Die vor allem für filmische Arbeiten als Grundlage dienenden Fotografien versuchen die psychische Bindung der Frauenfiguren an die Geschichte der einzelnen Häuser herauszuarbeiten. Die vorliegende Arbeit zeigt eine Frau auf der Treppe im Haus eines bekannten Londoner Architekten der 1930er Jahre. Ihr Gesichtsausdruck weist klare Konturen einer von Angst geplagten Frau auf, die in Hitchcock’scher Manier von der Unheimlichkeit und Ungewissheit der sich im Haus ereignenden Geschehnisse beeinflusst wird. Abseits dieser Information bildet die Angst im Antlitz der Frau jenes Merkmal, das BetrachterInnen auch ohne den spezifischen Hintergrund auffällt. Die hier verhandelte Ubiquität der Angstrezeption beruht auf der Tatsache, dass dieses Phänomen momentan am häufigsten unter allen psychischen Störungen auftaucht und auf eine Reihe von unterschiedlichen Faktoren zurückzuführen ist. Durch den enormen Druck, der wirtschaftlich und gesellschaftlich auf dem Individuum lastet, stellt sich letztendlich auch die therapeutische Frage, wie ein Leben ohne Angst überhaupt zu führen sei.