Inside-Out, 2005


Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Hiroko Inoue

In ihrer Fotoarbeit Inside-Out nähert sich die japanische Künstlerin Hiroko Inoue psychischen Konstellationen, die den normativen Verlauf einer sozial vorformulierten Realität aufgrund unterschiedlich gelebter Erfahrungsmomente verlassen. Fenster von PatientInnenzimmer der Abteilung für Psychiatrie des Otto-Wagner-Spitals in Wien zeigen den Blick hinaus ins Freie sowie das Innen einer territorial und mental abgegrenzten Lebenswelt. Der etymologische Gedanke an das Freie als freiheit-stiftender Ort und Freiraum muss jedoch euphemistisch gelesen werden, wenn BetrachterInnen durch die Gitter der Fenster blicken. Historisch gesehen positioniert sich das Otto Wagner Spital zwischen einstigem Prunkspital mit seinen Jugendstilpavillons, in denen PatientInnen in Einzelzimmer untergebracht waren, bis hin zur ‚Heilpädagogischen Klinik der Stadt Wien – Am Spiegelgrund‘ von 1940 bis 1945, in der Kinder mit psychischen Auffälligkeiten ermordet wurden. Heute führt das Sozialmedizinische Zentrum Baumgartner Höhe unter anderem mehrere psychiatrische Abteilungen. Hinsichtlich der Betreuung von psychisch kranken Personen stellt sich in Inoues Arbeit die Frage nach adäquaten Modellen der Unterbringung. Während salutogene Aspekte der ruhigen und ästhetisch anspruchsvollen Umgebung des Otto Wagner Spitals nach wie vor von PatientenInnen und Angehörigen erlebt werden, stellt sich im Hintergrund der sozialpsychiatrischen Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte die kritische Frage in Bezug auf die örtliche Konzentration der Versorgung. Neben der aktuellen Entwicklung in Richtung einer gemeindenahen, regionalen stationären Versorgung bestehen auch Tendenzen einer Verstärkung des ambulanten und semi-stationären Angebots.