Inside-Out, 2005


Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Jens Haaning

Die Arbeiten des dänischen Künstlers Jens Haaning kreisen um kulturelle Übersetzungstechniken sowie das Konstrukt des ‚Eigenen‘ und ‚Fremden‘ im Kontext gesellschaftlicher und psychosozialer Wahrnehmung. Einen wesentlichen Aspekt stellt dabei die Arbeit mit Personen unterschiedlicher Sozialitäten dar, die sich in ein traditionelles Alltagsbild nur bedingt einfügen. Sei es die Arbeit mit verschiedenen ethnischen Gruppen, das Errichten einer ‚Office for the Exchange of Citizenship‘ in der Wiener Secession 1997, bei der sich BesucherInnen juristisch beraten lassen konnten, um ihre Staatsbürgerschaft zu wechseln, das Ausstellen von Medikamenten als psychotropische Substanzen, oder Portraits von psychiatrischen Patienten, die als Fashion Models posieren. Haanings Arbeiten führen in jenes kulturelle Konstrukt der Normalität Irritationsmomente ein, die routinemäßige Handlungen bzw. gesellschaftlich normiertes Verhalten hinterfragen. Die aktuelle Arbeit zeigt den Patienten Knud in einer psychiatrischen Klinik in Kopenhagen, den Haaning über die Jahre besuchte, um mit ihm über seine Erfahrungen zu sprechen. Ungeachtet von Knuds therapeutischem Prozess, der eine Behandlung mit Psychopharmaka einschließt, resümiert dieser über seinen Zugang zur menschlichen Existenz und deren Bedeutung. Das Text-insert im Bild ist an die Werbelinie einzelner Pharmaprodukte angepasst und vermittelt jenen für Haaning charakteristischen Irritationsgrad der Betrachtung. Die Arbeit Human Life dient somit als Ansatz zur Hinterfragung von Lebensmodellen und deren nicht immer kalkulierbaren Auswirkungen.