Doxa, from the video and photographic series HI-RES done in collaboration with Maja Delak and Mala Kline, 2006/2007

 

Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Marina Gržinic / Aina Šmid

Die slowenische Künstlerin und Theoretikerin Marina Gržinic , die gemeinsam mit Aina Šmid ein umfangreiches Œuvre an Videos und Filmen realisiert hat, gehört zu den wichtigsten AnalytikerInnen der post-sozialistischen Situation in Europa sowie des Einflusses globaler Machtsysteme auf den Wandel westlicher Lebenswelten. Gržinic  sieht die einstige totalitäre Macht des Realsozialismus auf einen Demokratie lediglich vorgebenden, aber die Macht an sich reißenden Westen übergehen, der nach dem Kalten Krieg und der Erweiterung EU-staatlichen Terrains bis zur Schwarzmeerküste den einstigen Feind im Osten verloren und das ‚Andere‘ in psychoanalytischer Manier nun in sich selbst zu suchen hat. Wie können bipolare Entitäten, die einst getrennt existierten, innerhalb eines Systems aufgehen? Momente dieser inneren, vom Westen geförderten Spaltung zeigen sich exzessiv in den so genannten Plutonomies, Länder, in denen die Schere zwischen Reich und Arm immer mehr auseinandergeht und der Kapitalmarkt in den Händen einiger weniger liegt. Übertragen auf die Bevölkerung machen sich hier Momente schizophrener und affektiver Störungen breit, die von einem Kollektiv auf das Individuum übertragen werden. Das Bild einer am Boden kauernden Frau, in deren Richtung eine helfende Hand zeigt, fordert schließlich dazu auf, die Realität selbst in die Hand zu nehmen und das Individuelle im Vergleich zum Kollektiv zu betonen, um somit die eigene Identität gegenüber einer fremd
definierten Macht zu ergründen.