What does memory mean to you? XVII, 2007


Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Petra Gerschner

Petra Gerschner gehört zu den politisch aktivistisch arbeitenden KünstlerInnen, die das Medium der Fotografie nach seiner inhaltlichen Aussagekraft im Spannungsfeld zwischen vordergründiger Objektivität und unabdingbarer Subjektivität untersuchen. Dabei setzt sich die Künstlerin in ihren Arbeiten mit herrschenden Identitätskonstruktionen und der Normierung von Geschlechterrollen auseinander. Für Psychic Realities greift Gerschner auf ein Bild aus ihrem vielschichtigen Archiv zurück, das trotz der analogen Überblendungen die Konstruiertheit einer digitalen Manipulation in sich trägt. Die Protagonistin der Handlung wird im Moment des Sprunges ins Unbekannte gezeigt. Erste Assoziationen erinnern an einen Verzweiflungssturz in die Tiefe, doch der zweite Blick zeigt einen lachenden kirschroten Mund, und wie zum Flug ausgebreitete Arme scheinen die Gesetze der Schwerkraft und die materiellen Begrenzungen des Körpers aufheben zu wollen. Die Überblendungen und das im Hintergrund erscheinende Gitter, das mit den Lichtbalken korreliert, verweisen auf die neuronale Interaktion, die den Moment des Dargestellten begleitet und dadurch das mentale Bewusstsein ins Zentrum der Betrachtung rückt. Wie können neurobiologische Korrelate von Menschen in psychischen Grenz- und Übergangssituationen bildkünstlerisch verhandelt werden? Gerschners Foto leitet zur Reflexion über die Situation von Menschen und ihrer innersten seelischen Membran über, die selten ans Äußere dringt und häufig lediglich im Dialog mit TherapeutIn oder engsten Vertrauten zu Tage tritt.