Heidi’s High, 2007


Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Richard Crow

Der britische Künstler Richard Crow verweist in seiner Arbeit Heidi’s High auf den Mythos der in den Schweizer Alpen lebenden Figur Heidi als naturverbundenes, jungfräuliches Wesen und entlarvt dadurch den Prozess der Bergromantik mit ihrer scheinbaren Idylle, die in dem überschwänglichen Lächeln der Protagonistin im Bild zum Tragen kommt. Die in Deutsch und Italienisch angeschriebenen Wörter verlegen das Setting in die Südtiroler Landschaft, wodurch sich durch die zivilisatorische Erschließung der Umgebung die Frage nach dem Verlust einstiger romantischer Ideale stellt. Im Zuge der unaufhaltsam globalisierenden Tendenzen und einer kommunikationstechnischen Verbindung sämtlicher urbaner und ländlicher Gebiete erinnert der Heidi-Mythos gleichzeitig an eine vergangene Gesellschaft, in der der Alltag noch unbelasteter und weniger von Angst geprägt verlief. In Crows aktuellem Heidi-Bild kommt ein zwanghaftes Moment zum Ausdruck, das die Freiheit der Berge in eine psychische Enge münden lässt und die Frage aufwirft, wie das Leben der im Bild zu sehenden Heidi in eine übersprungshandlungsartige, affektive, da von der gewohnten urbanen Welt entfremdete Lebenssituation übergreift und wie die einstige romantische Bergidylle den Auswirkungen der Globalisierung weichen musste, in der die Refugien des Rückzugs vor psychischer Belastung immer rarer werden. Medientechnisch analysiert Crows Bild- und Textverweis die gegenwärtige Kartografisierung der Welt, die in jüngster Zeit etwa durch Google Earth vorgenommen wird, wodurch das Wort ‚camere‘ auf jene Metaebene der technisch aufzeichnenden Apparatur verweist.