• Carlos Aires, Psychic Realities by Lundbeck AustriaCarlos Aires, Psychic Realities by Lundbeck Austria

Untitled (from the series "Happily Ever After"), 2007


Ausstellungskatalog (3,1 MB)

Carlos Aires

Carlos Aires’ fotografische Darstellungen thematisieren die Situation von sozialen Randgruppen, deren Leben nach wie nur einen marginalen Platz im medialen Bewusstsein findet. Ästhetisch überhöht der Künstler dabei die Situation des Dargestellten, wodurch sich stets eine romantische Komponente einstellt, die über die Komplikationen im Alltag sowie die unterschiedlichen psychischen Einzelrealitäten der abgebildeten Personen hinausgeht. Aires schafft es stets, den Aspekt des Unheimlichen zu berühren, der im Freud’schen Sinne aus den im Unterbewusstsein liegenden, verdrängten Erfahrungen und Komplexen resultiert. Freud verweist in diesem Zusammenhang auf das Wiederaufflammen von infantilen Weltbildern, die Erwachsene überwunden geglaubt haben, die aber dennoch in immer wiederkehrenden Bildern von bedrohlich wirkenden und Angst erregenden Situationen hervorkommen. Diese Bilder werden von Aires oftmals ironisch kommentiert, etwa wenn er kleinwüchsige Personen in Torero-Kostümen porträtiert, um an Fabel- und Mythenwesen zu erinnern. Kunsthistorisch knüpft er dadurch an die Arbeiten der amerikanischen Fotokünstlerin Diane Arbus an, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit ihren Porträts von ‚Freaks‘, kleinwüchsigen und Transgender-Personen die mediale Öffentlichkeit konfrontierte. Ob ästhetisch verklärt oder Angst erregend, auch im Bild eines an Hypertrichose erkrankten Jungen aus Südamerika, das kulturell an den ‚Werwolf‘-Mythos anschließt, versucht Aires auf Existenzphänomene außerhalb jeder Normalität aufmerksam zu machen und auf ein gesteigertes Bewusstsein für Lebenspraxen hinzuweisen, die in einem ständigen Konflikt mit den psychischen Realitäten des Alltags stehen.